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Name Tschengla
Biotop 10726
Anzahl Teilobjekte | Teilflächen -
Fläche Biotop (ha) 53.69
Höhe (m) 1100 - 1240
Gemeinde Bürserberg
Gebietsbeschreibung

Fotos Artenliste Gemeindebericht A3_Karte
Lage/Landschaft: Die Tschengla liegt plateauartig über den im Norden steil abfallenden Felswänden des Kürst- Schrofens (vgl. Biotop 10710) Im Westen grenzt sie an das weitgehend ebene, teilweise vermoorte und als Alpweide (Rona-Alp) genutzte Gebiet der Dunza (vgl. Biotope 10724, 10725, 10727, 10728, 10729), im Südosten an die gegen Bürserberg-Matin abfallenden Steilhängen der Halda (vgl. Biotop 10708).Das Biotop setzt sich in der gegenständlichen Fassung aus 34 Teilflächen zusammen. Schutzgut: Bei der Tschengla handelt es sich um eine äußerst reizvolle, kleinteilige Kulturlandschaft, die als reich differenzierter Biotopkomplex eine besonders reichhaltige Flora und Fauna beherbergt. Als Fundort seltener Biotoptypen, einer Vielzahl an gefährdeten und geschützter Arten und aus landschaftspflegerischer Sicht ist das Gebiet von hoher Schutzwürdigkeit Um das besondere naturräumliche Erscheinungsbild der Landschaft der Tschengla zu verstehen, sei an erster Stelle in die nähere und fernere Geschichte des Gebiets zurückgegangen. Ihre grundlegende Gestalt verdankt die Teschengla einer ausgeprägten eiszeitlichen Überformung. Dem Grundgebirge ist durch eine unterschiedlich mächtige Decke würmzeitlicher Grundmoräne überlagert. Diese zeigt ein ausgeprägtes Kleinrelief (Wälle, Hügel, Verebnungen, Mulden); daneben finden sich auch Sonderformen, wie etwa das Toteisloch auf der Dunza (vgl. Biotop 10724). Einen weiteren Hinweis auf die glaziale Überprägung geben die zahlreichen Findlinge aus ortsfremdem Gestein (erratische Blöcke, Silvrettakristallin), welche die Eiszeitgletscher mit sich brachten und hier liegen geblieben sind. Die Bezeichnung Tschengla ist laut Plangg (1962, S.26) als "Weide über einer Felswand" zu interpretieren und gibt Aufschluß über die zweite formende Kraft, nämlich den wirtschaftenden Menschen. Extensive Beweidung, Heugewinnung und andere Nutzungsformen der traditionellen Landwirtschaft schufen eine sehr ansprechende, kleinteilige strukturierte Kulturlandschaft, die landläufig als parkartig empfunden wird. Locker bewaldete Rücken und Hänge wechseln mit offenen Wiesen- und Weideflächen; Baum- und Strauchgruppen, Solitärbäume, Findlinge, Lesesteinhaufen und -mauern sind eingestreut. Ab der Mitte des 20 Jahrhunderts kam es zu einem grundlegenden Wandel in der Nutzung des Gebiets. Drei miteinander Hand in Hand gehende Faktoren begannen zu wirken, nämlich zunehmende Bautätigkeit (Ferienhäuser), Aufgabe der Bewirtschaftung vorwiegend in den ungünstigeren oder veräußerten Parzellen, sowie Intensivierung der Nutzung in den Gunstlagen bzw. verbliebenen landwirtschaftlichen Flächen. Die ohnehin schon sehr kleinteilige Parzellierung wurde durch die Aufteilung von Flächen in Bauparzellen noch verstärkt. Der Naturwert des Gebiets wurde durch diese Entwicklung stark zurückgedrängt, trotzdem blieb Charakter der Landschaft in seinen Grundzügen erhalten und damit auch mehr oder weniger ausgedehnte Reste der ehemaligen Vegetationsausstattung und Kleinlebensräume. Gegenwärtig zeigt die Landschaft entsprechend der starken Zerstückelung der Parzellen ein ausgeprägtes Mosaik von Mager- und Fettwiesen, Weideflächen, Intensivgrünland, Brachen, Jungwäldern, Ferienhäusern und Wohnbauten, sowie der dazugehörigen Infrastruktur (Sportplätze, Parkplätze, Straßen, etc.). Bemerkenswerterweise findet sich aber gerade im engeren Siedlungsgebiet noch sehr schöne Magerwiesenflächen, wobei die Gründe vielfältig sind (Kleinflächigkeit, fehlende Rentabilität der Intensivierung, schützende “private“ Hand, etc.); die Landwirtschaftsflächen sind dagegen vielfach sehr intensiv bewirtschaftet und ausgeräumt. Deshalb ist in der gegenwärtigen Fassung des Inventars auch das Siedlungsgebiet in das Biotop integriert. Bei den Magerwiesen der Tschengla handelt es sich um trespenreiche Sterndolden-Goldhaferwiesen (Astrantio-Trisetetum), die an ausgehagerten und bodensauren Standorten in Bürstlingsrasen (Polygalo-Nardetum s.l.) übergehen. Das Zusammentreffen von wärmeliebenden Arten der Tieflagen (z.B. Tauben-Skabiose, Edel-Gamander) mit hochmontan-subalpinen Elementen (z.B. verschiedene Enziane), die Vermischung von Basen- und Säurezeigern (z.B. Arnika, Besenheide, Hufeisenklee, Katzenpfötchen, Wundklee, etc.), sowie das Vorhandensein verschiedenster Kleinstandorte (flachgründige Stellen, anstehendes Gestein, etc.) machen diese Wiesen extrem artenreich (vgl. Artenliste). Die Vegetation magerer Weideflächen entspricht jener der genannten Wiesentypen, vielfach sind die Weiden allerdings etwas nährstoffreicher und als Kammgrasweiden (Festuco commutatae-Cynosuretum) anzusprechen (oft in einer fetteren, durch Aufdüngung hervorgegangenen Ausbildung). Als Standorte besonders hervorzuheben sind die Magerwiesenflächen im westlichen Teil bei Nagelier und (bedingt beim) Doppelhaus (Teilflächen 01- 03, 05, 07, 14). Besieht man sich alte Luftbilder (z.B. aus den 1950er Jahren) zeigt sich, daß die Wiesen und Viehweiden in den steileren Hanglagen recht dicht bestockten Laubhainen entsprechen. Diese Bild findet sich vereinzelt auch heute noch, z.B. auf den Geländerücken bei Nagelier (Teilflächen 01, 02) oder auf einer Parzelle nördlich des Doppelhaus (Teilfläche 14). Daneben finden sich Solitärbäume, Baumreihen entlang von Parzellengrenzen, Feldgehölze und Gebüsche, welche häufig auf Lesesteinhaufen stocken. Die Bestockung besteht aus Stieleichen (Quercus robur), Bergahorn (Acer pseudoplatanus), Esche (Fraxinus excelsior), Birke (Betula pendula), Mehlbeere (Sorbus aucuparia) und Hasel (Corylus avellana). Die in den letzten Jahrzehnten aufgewachsenen Jungwäldern werden dagegen von Pioniergehölzen wie Birke, Zitterpappel (Populus tremula), Grauerle (Alnus incana) oder Vogelbeere (Sorbus aucuparia) dominiert. Beim Lärchen- und Fichtenaufwuchs wurde teilweise nachgeholfen (meist als Solitärbäume oder in Gruppen neben Hütten und Häusern, daneben auch kleinere Aufforstungen). Diese jungen Mischwälder über auf mäßig feuchten, sauren und humosen Böden sind zumeist sehr vital und reich geschichtet. Den Jungwäldern und Feldgehölzen vorgelagert finden sich bisweilen charakteristische Mantelgesellschaften mit Feldrose (Rosa arvensis), Himbeere (Rubus idaeus), Vogelbeere, Roter, Schwarzer und Alpen-Heckenkirsche (Lonicera xylosteum, L. nigra, L. alpigena), Liguster (Ligustrum vulgare), Trauben-Holunder (Sambucus racemosa), Schluchtweide (Salix appendiculata), Faulbaum (Frangula alnus) und Kratzbeere (Rubus saxatilis). Zwischen den Waldmantel- und der Grünlandvegetation wiederum vermitteln bunte artenreiche Säume (Knautietum dipsacifoliae), die besonders in verbrachenden Magerwiesen breiter ausgebildet sein können (vgl. Artenliste im Anhang). Zu guter letzt noch eine kurze Darstellung der “Steinlandschaft“ der Tschengla. Besonders schön ausgeprägt ist sie noch in den bereits erwähnten Bereichen bei Nagelier und Doppelhaus, etwa in Form einer von erratischen Blöcken und Lesesteinhaufen durchsetzten Viehweide (Teilfläche 03). Lesesteinmauern finden sich in Resten noch auf der ganzen Tschengla, wobei besonders schöne Beispiele gerade auch im “Siedlungsgebiet“ erhalten geblieben sind. Die Gesteine sind vorwiegend aus sauren Komponenten zusammengesetzt (Gneise und Hornblendegesteine) und tragen je nach mikroklimatischen Bedingungen eine entsprechende Vegetation, bestehend aus Elementen der Trockenrasen, charakteristischen Mauerspaltenpflanzen, Zwergsträuchern, weichlaubigen Stauden, Gräsern und Gebüschgruppen (Hasel, Vogelbeere, Himbeere). Meist begleiten auch mächtige Einzelbäume (Bergahorn, Wildkirsche) die Lesesteinhaufen. Im Anhang sind die typischen Arten dieser Standorte aufgelistet. Zoologisches: Reich gegliederte und durchnischte Vegetationskomplexe bieten viele Klein- und Kleinstlebensräume für eine mannigfaltige Kleintierwelt. Lesesteinhaufen und Feldmauern sind wichtige Habitate und Winterquartiere für Reptilien (z.B. Zauneidechse- Lacerta agilis, Schlingnatter- Coronilla austriaca, Blindschleiche- Angust fragilis), Amphibien (Erdkröte- Bufo bufo, Alpensalamander- Salamandra atra, etc.), Kleinsäuger (z.B. Igel, Spitzmäuse, Wiesel, div. Kleinnager etc.). Eine reiche Ausgestaltung mit Gebüschen und Bäumen ist von großer Bedeutung für die Vogelwelt, die hier durch ausgesprochene Vielfalt und hohe Individuendichte auffällt; so sind laut Grabherr (1988) aus dem Gebiet rund 50 Vogelarten nachgewiesen.